Bevor wir eine Influencerin schütteln

leere SprechblaseEs ging in Schlagzeilen durch alle Medien: eine blutjunge "Influencerin" propagiert einer riesigen Fan-Gemeinde im Internet rasend schnell und flächendeckend eine rein vegane Ernährung, und das auch noch ausschließlich aus rohen Zutaten. Das ganze gespickt mit Photos, in denen sich die Influencerin selbst zum Sex-Symbol stilisiert. Doch dann wird sie dabei erwischt, wie sie Fisch und Eier zu sich nimmt. Und auch das verbreitet sich im Internet rasend schnell und flächendeckend.

Die Fan-Gemeinde schreit "Verrat" und die ertappte "Influencerin" entschuldigt sich für ihren gleich mannigfachen Verrat ganz kleinlaut: durch ihre roh-vegane Ernährung habe sie die Fähigkeit verloren, Kinder zu bekommen. Also will sie jetzt notgedrungen für eine Zeit lang "verbotene Früchte" zu sich nehmen, bis sie hat, was sie will, nämlich Kinder. Danach will sie umgehend zurückkehren zur reinen Lehre der roh-veganen Ernährung. Und bis dahin möge ihre Fangemeinde ihr bitte verzeihen. "Mea maxima culpa. Amen."

Wer schüttelt zuerst?

Wir wissen wohl alle, dass das Essen von Fisch und Eiern in diesem Fall das einzige ist, was die Bezeichnung Verrat nicht verdient. Wahrscheinlich wollen wir alle diese "Influencerin" am liebsten schütteln und zur Einsicht bringen, dass ihr Körper flächendeckend Klartext spricht und rasend schnell die Hinwendung zu einer vernünftigen, ausgewogenen Ernährung fordert. Ihr rein erdachtes Ernährungs-Dogma kann doch nicht wichtiger sein als die Realität, die in ihrem Körper zum Ausdruck kommt.

Doch wer werfe hier den ersten Stein? Wer schüttelt zuerst? Wie gehen wir denn selbst mit den mehr oder weniger flächendeckenden Botschaften unseres Körpers um? Wie rasend schnell reagieren wir auf Signale wie Kopfschmerzen, Taubheitsgefühle und all die anderen Symptome, die uns erst mal einfach nur lästig sind, weil sie unseren aktuellen Plänen im Wege stehen. Verstehen wir all diese Symptome immer sofort als Botschaft, die uns zu einer wichtigen Einsicht führen will? Wie stur verhaftet sind wir in einem anderen, flächendeckend etablierten Dogma: dem Dogma der Trennung von Körper und Seele?

Wie ein bisschen schwanger

Je nachdem, wie gut es uns zu pass kommt, teilen wir Krankheiten und Symptome ein in "richtige Krankheiten" und in "eigentlich vielleicht eher psychosomatische Krankheiten". Die äußerst fließende Grenze zwischen den beiden stellt vor allem eines dar: die Demarkationslinie der jeweils eigenen Reflexions-Bereitschaft, aus der das eine oder andere Dogma erdacht wird. Dieses Dogma wird dann rasend schnell wichtiger als jede Einsicht in den flächendeckenden Klartext unseres Körpers.

Wo begegnen wir im realen Leben der Natur einer solchen Willkür, die jeder Logik widerspricht? Das hieße ja, dass die einen zum Überleben Eiweiß brauchen, die anderen aber nicht. Die Ursache von körperlichen Symptomen liegt nicht das eine Mal auf rein körperlicher Ebene, ein anderes Mal auf rein seelischer Ebene, je nachdem, wie einsichts-willig wir gerade sind. Körper und Seele sind nicht mal Einheit, mal getrennt und unabhängig voneinander. Sie sind entweder eine Einheit, oder strikt getrennt und unabhängig voneinander. "Ein Bisschen Einheit" wäre wie "ein bisschen schwanger", "ein Bisschen getrennt", "ein Bisschen konsequent", "ein Bisschen logisch".

Ein Weg zu nachhaltigem Heilen

Meine eigenen Erfahrungen lehren mich Tag für Tag, dass Körper und Seele eine Einheit sind. Meine Erfahrungen lehren mich in stetiger Logik, dass die Ursache körperlicher Symptome immer auf der seelischen Ebene zu finden sind. Der Weg dorthin führt halt manchmal über lange Verdrängtes, das wir ja nicht verdrängt haben, weil es so schön ist. Die körperlichen Symptome tauchen auf, wenn es Zeit ist, sich dem lange Verdrängten zu stellen und damit Frieden zu schließen. Wenn das passiert ist, werden die Symptome nicht mehr gebraucht und ziehen sich dezent zurück.

Ob wir uns auf dem Weg dort hin des einen oder anderen Hilfsmittels bedienen oder nicht, ist für die Nachhaltigkeit der Heilung nicht das Entscheidende. Entscheidend für die Nachhaltigkeit der Heilung ist das Lösen des ursächlichen Verdrängten. Verdrängen wir auch das und begründen dies letztendlich mit dem erdachten Dogma der willkürlichen Trennung von Körper und Seele, steht die nächste Krankheit oder das nächste Miss-Geschick schon in den Startlöchern.

Unsere Realität kommt in unserem Körper zum Ausdruck

Es liegt an uns selbst, diese Startlöcher rasend schnell und flächendeckend zu schließen, indem wir mit erdachten Dogmen abschließen und den Weg öffnen für fällige Einsichten und die zugehörigen Konsequenzen. Dafür müssen wir niemanden nehmen und schütteln. Dafür müssen wir nur die Botschaft unseres Körpers aufgreifen, die uns hilft, zu einer wichtigen Einsicht zu finden. Denn erdachte Dogmen können nicht wichtiger sein als die Realität, die in unserem Körper zum Ausdruck kommt.