Denken Sie mal nicht ...

leere SprechblaseDenken Sie jetzt mal nicht an den Kölner Dom. Sie dürfen an wirklich alles denken, nur an eines nicht: den Kölner Dom. Sehen Sie es? Die einzige Information aus dem Bisherigen, mit der Ihr Hirn etwas anfangen kann, ist: der Kölner Dom. Und schon sehen Sie ihn vor sich, weil sie gar nicht anders können. Und jetzt verdrängen Sie mal Ihre Gedanken an den Kölner Dom. Verdrängen Sie sie und geben sich Mühe dabei. Merken Sie es? Je mehr sie versuchen, Ihre Gedanken an den Kölner Dom zu verdrängen, umso mehr Energie lenken Sie genau auf den Kölner Dom. Und dann haben Sie kaum noch Energie frei, um sich auf das zu konzentrieren, was direkt vor Ihnen liegt. Das einzige, was jetzt noch hilft, um an etwas anderes zu denken als den Kölner Dom ist:

Hören Sie auf, Ihre Energie auf das Verdrängen des Bildes vom Kölner Dom zu verschwenden. Gestehen Sie sich einfach ein, dass Sie den Kölner Dom vor sich sehen, obwohl Sie es nicht wollen. Denn das entspricht der Realität. Und dann überlegen Sie sich, woran Sie stattdessen denken wollen, wofür Sie Ihre Energie tatsächlich nutzen wollen. Für das Bild vom Kölner Dom, das Sie verdrängen wollen? Oder wollen Sie Ihre Energie lieber dafür verwenden, zum Beispiel den Duft des Kaffees zu genießen, den Sie gerade genau vor sich haben?

Alle Energie für ...

Mit dem Verdrängen ist es immer das gleiche: es lenkt alle Energie auf das, was wir verdrängen wollen. Deshalb macht es so gar keinen Sinn, zum Beispiel die Angst vor dem möglichen Verlust eines geliebten Menschen zu verdrängen. Es ist nun mal realistisch, dass wir alles verlieren können, auch einen geliebten Menschen. Also ist es nur vernünftig, wenn wir uns diese realistische Angst eingestehen und dann unsere Energie darauf lenken, zum Beispiel die Freude daran zu kultivieren, dieses und jenes mit dem geliebten Menschen zu erleben.

Oder wir verwenden unsere Energie darauf, unser Vertrauen zu kultivieren. Vertrauen darauf, dass uns der geliebte Mensch noch lange erhalten bleibt, dass wir auch ohne ihn leben können, oder darauf, dass in unserer Welt alles seinen Sinn hat, auch wenn er sich uns manchmal erst viel viel später erschließt, als uns im ersten Moment lieb ist.

Was wollen wir wirklich?

Entscheidend ist, dass wir uns unsere Gefühle eingestehen, wie sie sind. Auch wenn Sie uns nicht gefallen. Gefühle sind immer ehrlich und sagen exakt aus, wofür wir unsere Energie zurzeit tatsächlich nutzen. Und wenn wir zum Beispiel Angst verdrängen, lenkt das nun mal alle Energie auf die Angst. Was bringt uns das, wo führt das hin? Immer nur in die Energie der Angst. Viel sinnvoller ist es darum, wenn wir uns die Angst eingestehen und wir uns dann fragen, auf welchem Wege wir sie überwinden oder nutzen können, um zum Beispiel Vertrauen zu lernen. Probieren Sie mal aus, wohin das führt.

Wir können unsere Energie nutzen, um uns in das hineinzusteigern, was wir nicht wollen und uns in diesem Nicht-Wollen-Kampf verlieren. Wir können unsere Energie aber auch konstruktiv nutzen, zum Beispiel um uns zu überlegen, was wir stattdessen wollen. Wir haben die Wahl! Und die kann durchaus auch auf den Anblick des Kölner Doms fallen. Aber dann bitteschön ohne Verdrängen, sondern mit Herzblut, oder mit dem Duft von Kaffee, der unsere Sinne beflügelt, oder mit beidem.