Glauben ist eine Aufforderung

leere SprechblaseWir sind beschäftigt inmitten von Geräuschen und plötzlich - plötzlich sind wir nicht sicher, aber wir glauben, dass es gerade an der Tür geklingelt hat. Und dann? In aller Regel halten wir erst einmal inne. Alle Aufmerksamkeit geht in den GLAUBEN, dass es an der Tür geklingelt hat. Und weil alle Aufmerksamkeit in diesen Glauben geht, tun wir zunächst einmal: nichts. Denn das pure Glauben schafft vor allem Unsicherheit. Diese Unsicherheit lässt uns verharren. Und dann geht es los, das Abwägen von Gedanken, die sich im Kreise drehen:

Hat es wirklich geklingelt, oder nicht? Kann ich mich auf meine Sinne verlassen oder nicht? Falls es wirklich geklingelt hat, wer könnte es dann sein? Etwas wichtiges oder nur ein harmloser Lausbubenstreich? Wenn es doch nicht geklingelt hat, was habe ich dann eigentlich vernommen? Falls jemand Wichtiges vor der Tür steht, müsste er oder sie dann nicht noch einmal klingeln?

Erst glauben, dann wissen

Früher oder später fällen wir eine Entscheidung. Entweder wir beschließen zu ignorieren, was wir glauben gehört zu haben und nehmen in Kauf, dass ein Rest Unsicherheit bleibt, die Gedanken noch weiter ergebnislos darum kreisen, ob unsere Entscheidung richtig war oder falsch. Oder wir beschließen, an die Tür zu gehen und nachzuschauen, ob jemand davor steht oder nicht. Das ist die Variante, die uns ein hohes Maß an Sicherheit verschafft. Und es ist die Variante, die am ehesten dazu geeignet ist, uns ein Wohlgefühl zu verschaffen.

Denn Wohlgefühl entsteht durch Sicherheit. Und Sicherheit entsteht dadurch, dass wir wissen, was um uns herum geschieht, und vor allem: aus dem Wissen, dass wir uns auf unsere Wahrnehmung verlassen können. Es genügt uns eben nicht, einfach nur zu glauben, dass es geklingelt hat. Wir wollen es wissen. Und so geht es uns prinzipiell mit allem in unserem Leben.

Glauben will Bestätigung durch Erfahrung

Wenn wir zum Beispiel daran glauben, dass wir ein Ziel erreichen können, dann ist dieser Glaube an uns selbst ein unverzichtbarer Quell der Zuversicht und Energie. Aber nur, wenn dieser Glaube der Ausgangspunkt ist, um unser Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Wer immer nur daran glaubt, ein Ziel erreichen zu können ohne es jemals zu versuchen, dessen Unsicherheit wächst und wächst und macht auf Dauer richtig unzufrieden. Denn Sicherheit und Zufriedenheit entstehen nur durch das Wissen, es tatsächlich mindestens einmal erreicht zu haben.

Es ist wichtig, dass wir das, was wir glauben, ernst nehmen - sei es das Klingeln an der Tür oder die Frage nach dem Sinn des Lebens. Noch wichtiger ist es, dieses Glauben als das zu nehmen, was es in seinem Ur-Wesen ist: eine Aufforderung, etwas zu tun, eine reale Erfahrung zu machen. Damit aus diesem Glauben über die selbst gemachte Erfahrung echtes, eigenes Wissen wird. Wissen, das echte Sicherheit gibt und so zum sicheren Quell von Zufriedenheit wird. Und dann kreisen die Gedanken höchstens noch darum, wie wir die aktuelle Zufriedenheit am liebsten genießen.