Von wegen "Schweinehund"

leere SprechblaseWie steht's um Ihre guten Vorsätze, mit denen Sie in das neue Jahr gestartet sind? Sind Sie noch dabei sie umzusetzen, oder machen Sie mal wieder die Erfahrung, dass der Weg zur Hölle gepflastert ist mit guten Vorsätzen? Der Schweinehund, der in diesem Zusammenhang immer wieder gerne zitiert wird, ist ein modernes Bild für einen dieser berühmten Pflastersteine, die zeigen: es ist unsere Art zu denken, mit der wir uns selbst das Leben zur Hölle machen.

Wir sind fest in dem Glauben verankert, dass wir uns durch Abspalten und Auslagern über alles erheben und so alles beherrschen können, was uns im tiefsten Herzen unangenehm ist. Darum erfinden wir einen äußeren Schweinehund. Auch wenn wir ihn als "inneren" Schweinehund betiteln - beide sind stets daran schuld, dass wir unseren Hintern nicht hoch bekommen, um zum Beispiel spazieren zu gehen, obwohl wir genau wissen, dass es uns besser ginge, wenn wir es täten.

Die ausgelagerte Verantwortung

Ganz offensichtlich ist es mehr als verlockend, die eigene Verantwortung für das eigene Wohlbefinden in ein anderes, böses Wesen wie den Schweinehund auszulagern, als diese Verantwortung in die eigene Hand zu nehmen. So sind wir es schließlich gewohnt in unserem Kulturkreis. Wenn wir unzufrieden sind, sagen wir einfach "Der ist Schuld!" und wiegen uns damit in der Illusion, wir hätten alles fest im Griff.

Aber wem helfen schon Schuldzuweisungen? Die Frage nach der Schuld am eigenen Unvermögen oder dem Anderer ist nichts weiter als ein uraltes Ablenkungsmanöver. Ein Manöver, mit dem wir uns von den Fragen ablenken, um die es wirklich geht: Wer ist dafür verantwortlich, was ich tue oder lasse? Wer ist dafür verantwortlich, dass es mir gut geht? Wer ist dafür verantwortlich das zu tun oder zu lassen, wodurch es mir gut geht?

Fühl mal, wer da bellt

Die Antworten auf diese drei Fragen, sind so klar wir einfach. Diese einfache Wahrheit umzusetzen ist zwar eigentlich klar, aber offensichtlich nicht so einfach. Weil die gewohnte Trägheit stärker scheint als jedes bessere Wissen. Und weil wir es in unserem Kulturkreis schlicht und ergreifend nicht gewohnt sind, nach Verantwortung und Konsequenzen zu fragen. Ob es um innere Konflikte mit uns selbst geht oder um äußere Konflikte mit Anderen: Wir sind es gewohnt, immer nur nach Schuld und Sühne zu fragen, anstatt nach Verantwortung und Konsequenzen.

Diese Prioritäten-Setzung ist es, die den albernen Schweinehund erfindet, ob mit oder ohne vorweg gestelltes "innerer". Und das ist es, womit wir uns das Leben selbst zur Hölle machen. Denn durch Schuld und Sühne werden Missstände nur fest betoniert. Wirkliche Lösungen und Veränderungen finden wir, indem wir statt dessen danach fragen, wer wofür verantwortlich ist; und wenn wir im Bewusstsein der vollen Verantwortlichkeit die Konsequenzen bedenken, die unser Denken und Handeln nach sich ziehen. Fühlen Sie da mal rein, wenn Sie das nächste mal denken, Ihr Schweinehund bellt Sie an.

Und wo bitte geht's zum Paradies?

Wofür früher Teufel, Hexen und Dämonen herhalten mussten, dafür haben wir heute das verweltlichte Bild des Schweinehundes geschaffen, mit dem sich auch niemand identifiziert. Die Bilder ändern sich, was bleibt, ist das zu Grunde liegende Denkmuster, in dem wir aus Gewohnheit verharren. Natürlich können wir uns auch im Kampf gegen den Schweinehund aufreiben, hier und da sogar voller Stolz unseren Sieg über ihn feiern.

Wir können unser Leben aber auch von vornherein im klaren Bewusstsein der Priorität von Verantwortung und Konsequenz gestalten. Indem wir zum Beispiel auf direktem Wege die nächste freie halbe Stunde für einen Spaziergang nutzen, einfach nur, weil wir wissen, dass es uns dann besser gehen wird als jetzt. Wenn wir aus der Motivation heraus handeln, dass wir die Konsequenzen unseres Handelns genießen wollen - klingt das paradiesisch?