Fahrplan für den Göttlichen Funken

Ein Nordlicht mit Sternenfunkeln

„Sobald es einen Impfstoff gegen das Corona-Virus gibt, wird alles wieder normal, wird alles wieder gut. Es wird wohl ein bis eineinhalb Jahre dauern, bis es so weit ist.“ Wir alle würden dieses immer wieder wiederholte Versprechen wohl nur allzu gerne glauben. Und vielleicht klappt das mit dem Corona-Impfstoff ja auch tatsächlich. Vielleicht sogar nach Plan. Vielleicht.

Vielleicht bekommen wir aber auch ein weiteres Mal den Beweis dafür, dass sich großartige Erfindungen und Entdeckungen nicht planen lassen. Denn es gibt ihn nun mal nicht, den Fahrplan für den Göttlichen Funken, ohne den es meist nicht geht. Denken wir nur mal daran, dass das Penicillin durch reinen Zufall entdeckt wurde. Und ob wir ES nun Zufall nennen, Fügung, Glück oder Göttlicher Funke – ES spielt bei bahnbrechenden Entwicklungen oft die entscheidende Rolle und lässt sich nicht planen. ES kommt, oder es kommt nicht, ohne dass wir darauf Einfluss nehmen können.

In die Zukunft versprochene Lösungen, die es bis heute nicht gibt

Dabei glauben wir nur allzu gerne daran, dass wir diesen Einfluss hätten. Denn unser Glaube an die Allmacht menschlicher Überlegenheit über die Natur der Dinge scheint uns so selbstverständlich und wahr. Aber es ist eben nur ein Glaube, der sich schon sehr oft als sehr unrealistisch erwiesen hat. Schon oft wurden uns technische oder wissenschaftliche Lösungen nach Plan versprochen, für die es bis heute keine Lösung gibt.

So gibt es zum Beispiel bis heute keinen Impfstoff gegen Aids, auch wenn sich die Forschung in all den Jahren schon so oft kurz vor dem Durchbruch wähnte. Genauso wenig gibt es eine Lösung für den immer mehr werdenden radioaktiven Müll, den wir in Kauf nehmen, ob nun hierzulande oder in Fukushima. Und wo und wie all die hoch toxischen Batterien der zukünftigen Elektro-Autos mal entsorgt werden sollen – auch dafür gibt es noch nicht den Ansatz einer Lösung.

Der reine Glaube an die Illusion von Kontrolle

Diese Liste ließe sich fortsetzen. Bisher schien es fast so, als könnten wir uns all die tickenden Zeitbomben der in die Zukunft versprochenen Lösungen vom Halse halten, indem wir sie einfach ignorieren. Aber jetzt, wo wir es mit dem klitzekleinen Virus zu tun haben, das unser ganzes Leben auf den Kopf stellt, machen wir tagtäglich die hautnahe Erfahrung, dass wir die Umstände unseres Lebens bei weitem nicht so umfassend unter Kontrolle haben, wie wir es gerne glauben möchten. Vielmehr sind es die Umstände, die uns unter Kontrolle haben.

Aber jetzt, wo wir tagtäglich spüren, was es heißt, mit einer Lösung zu leben, die erst in der Zukunft entdeckt werden soll, jetzt haben wir die Möglichkeit zu einer ganz anderen, entscheidenden Entwicklung: Vielleicht lernen wir jetzt zum Beispiel endlich mal, dass es keine gute Idee ist, mit jetzigen Entwicklungen sehenden Auges und eigenhändig Probleme zu schaffen, für die wir keine Lösungen haben. Vielleicht lernen wir jetzt, dass unser Glaube an die Allmacht von Wissenschaft und Technik nichts anderes ist als ein Glaube, durch den wir uns in nichts anderes flüchten als in eine Illusion von Kontrolle.

Der Göttliche Funke für das Wahrnehmen unserer realen Verantwortung

Vielleicht sind wir jetzt bereit, unsere Illusion von Kontrolle als Illusion zu durchschauen. Vielleicht werden wir uns dadurch jetzt zum Beispiel unserer Verantwortung für die nächste Generation bewusst. Wollen wir der wirklich lauter selbst gemachte Probleme hinterlassen, für die es keine Lösung gibt? Zum Beispiel das ungelöste Problem der Entsorgung von Elektro-Autos? Vielleicht hat das winzig kleine Virus ja das Zeug, für uns zum Göttlichen Funken zu werden. Zu dem Funken, der ein realistisches Licht wirft auf unseren Glauben an in die Zukunft verlegte Entwicklungen und Lösungen.

Vielleicht sorgt ein Göttlicher Funke dafür, dass wir uns lieber hier und jetzt ganz real unserer Verantwortung für kommende Generationen stellen. Vielleicht sorgt dieser Göttliche Funke dafür, dass wir zum Beispiel erst das Problem der Entsorgung lösen, bevor wir Elektro-Autos in großem Stil in Verkehr bringen. Vielleicht klappt ja das. Bestimmt nicht nach Plan, dafür vielleicht durch glückliche Fügungen.



Hintergrund-Infos zu Problem-Lösungen, die wir in die Zukunft verlegt haben:

Die nicht vorhandene Lösung zur Entsorgung von Elektro-Autos:
https://www.rnd.de/wirtschaft/ein-tesla-als-sondermull-wer-entsorgt-das-ausgebrannte-auto-I3BB4VQLPZCAJEE2JV3YP2B5SI.html

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/elektromobilitaet-heikle-luecken-bei-der-entsorgung-von-batterien-fuer-e-autos-umweltbundesamt-ueberprueft-tesla/25294920.html?ticket=ST-3228275-JlD0iHqfye0DmP4dMLAl-ap3

Der immer noch nicht gefundene Impfstoff gegen Aids:
https://www.aidshilfe.de/meldung/rueckschlag-hiv-impfstoff-forschung

Die immer noch nicht gefundene Lösung zur Entsorgung von radioaktivem Müll:
Fukushima – Ende nicht in Sicht (Ganze Doku) | Quarks und Co:
https://www.youtube.com/watch?v=aM_HbyIBbwc

https://www.energiezukunft.eu/umweltschutz/atommuelllager-asse-ii-ist-eine-tickende-zeitbombe/

https://www.deutschlandfunkkultur.de/atommuell-lager-in-niedersachsen-kampf-gegen-wasser-in-der.1001.de.html?dram:article_id=460790


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