Geh raus und bleib zu Hause

Leere Ortsschilder weisen in gegensätzliche RichtungenDas winzig kleine Virus zeigt uns gerade sehr eindrucksvoll, was passiert, wenn wir mit gegensätzlichen Vorgaben hantieren: Einerseits bekamen wir die Vorgabe, dass wir Kontakte um jeden Preis vermeiden und am besten gar nicht mehr vor die Tür gehen sollen. Gleichzeitig bekamen wir die Vorgabe, dass wir die Wirtschaft am Laufen halten und dafür im Einzelhandel vor Ort einkaufen gehen sollen, was das Zeug hält. Der Einzelhandel braucht schließlich nichts dringender als sein Weihnachtsgeschäft.

Es liegt auf der Hand, dass sich nur eine der beiden Vorgaben befolgen lässt. Wohin diese Gegensätzlichkeit führt, erleben wir gerade in großem Stil und großer Dramatik: erst kommt der Stillstand, dann kippt die Situation in eine Entwicklung, in der alles noch schlimmer wird als je zuvor. Und das Vertrauen in die, die die Vorgaben machen, schwindet angesichts immer höherer Zahlen von Infizierten und Toten. Daran wird auch der erneute Lockdown so schnell nichts ändern.

Wasch mich, aber mach mich nicht nass

Wenn wir jetzt mal ganz ehrlich sind, dürfen wir uns wohl alle eingestehen, dass uns dieses Muster der gegensätzlichen Vorgaben im Kleinen eigentlich bestens bekannt ist. Der Volksmund nennt es „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Wir wollen zwar, dass sich alles ändert, gleichzeitig wollen wir aber auch an allen gewohnten Standards festhalten. Und das gilt nicht nur für leidenschaftliche Forderungen nach mehr Klarheit und Logik im Umgang mit dem winzig kleinen Virus, während wir selbst gerade zum Beispiel die einfachste Abstands-Regel ignorieren.

Es gilt zum Beispiel auch für das Festhalten an gewohnten Denk- und Verhaltensmustern. Solange wir zum Beispiel immer von Anderen erwarten, dass sie etwas tun, damit wir uns endlich zufrieden fühlen können, solange werden wir keine Zufriedenheit finden können. Denn echte Zufriedenheit können wir nur tief in uns selbst finden durch das, was wir selbst tun und denken. Tausende von Anderen könnten uns Tag für Tag erzählen, wie toll sie uns finden – solange wir selbst in uns einen Menschen sehen, der alles andere als toll ist, solange kann kein noch so treu ergebener Fan von außen das Licht der Zufriedenheit in uns selbst zum Leuchten bringen.

Konsequente Veränderungen für die Zufriedenheit mit uns selbst

Wenn wir also wollen, dass sich unser Leben in der Form ändert, dass es uns wahrhaftig in tiefstem Herzen zufrieden macht, dann müssen wir uns selbst und unsere Handlungsmuster ändern. Das ist ganz sicher schwieriger, als von Anderen zu erwarten, dass sie sich ändern. Doch solange wir uns selbst die Vorgabe stellen, dass sich unser Leben ändert, während wir uns gleichzeitig die Vorgabe stellen, dass wir und unsere Handlungsmuster bleiben wie sie sind, solange geben wir uns selbst höchst gegensätzliche Vorgaben.

Bei diesen gegensätzlichen Vorgaben liegt es dann auch auf der Hand, dass sich nur eine davon umsetzen lässt. Es führt auch zum gleichen Ergebnis: Stillstand, der früher oder später in eine Entwicklung kippt, die noch schlimmer wird als je zuvor. Und das Vertrauen in die eigene Chance auf Zufriedenheit schwindet angesichts stetig wiederholter Unzufriedenheit mit uns selbst.

Konsequenz nicht nur im Umgang mit dem Corona Virus

Wenn wir uns also das nächste Mal über gegensätzliche Vorgaben ärgern, die wir erfüllen sollen, dann halten wir vielleicht erst einmal kurz inne. Dann überlegen wir, was wir selbst tun können, damit wir am Ende des Tages mit dem, was wir tun, zufrieden sein können. Das eröffnet verschiedene Handlungs-Optionen.

Hauptsache, wir entscheiden uns für die eine Handlungs-Option, die wir auch gegen innere Widerstände gerne konsequent umsetzen. Hauptsache, wir entscheiden uns für die Handlungs-Option, von der wir wahrhaftig glauben, dass sich die Situation zumindest für uns selbst dadurch wirklich zum Besseren verändert. Denn das könnte genau die Handlung sein, die uns früher oder später aus tiefstem Herzen mit tiefer Zufriedenheit erfüllt. Und auch das gilt nicht nur im Umgang mit dem Corona-Virus.

Wertschätzung leben?

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay