Kurz noch mal … hilft

Ein altes Fahrrad vor einem pittoresken Laden.

Wenn wir hier in Köln auf die Straße gehen, reiben sich innerlich viele von uns verwundert die Augen. War da mal was? Haben wir Corona? Nur kurz vor dem Betreten eines Ladens heißt es noch: „kurz noch mal … innehalten“, damit pflichtgemäß die Bazillenschleuder aufgesetzt wird, die sofort wieder abgesetzt wird, sobald wir den Laden wieder verlassen. Das Innehalten hilft, um den Laden in Corona-Zeiten überhaupt betreten zu dürfen. Doch sonst? Hier wuselt das Leben wieder, als wäre nichts gewesen. Mindestabstand? Nicht mehr möglich. Es scheint auch niemanden mehr wirklich zu interessieren.

Und was passiert dadurch? Nichts. Erstaunlicherweise gar nichts. Hier und da höre ich, welche Irritation sich darüber ausbreitet, dass das, was vor unseren Haustüren passiert und das, was wir aus den Nachrichten erfahren, so gar nicht mehr zusammen passen will. War das alles denn vielleicht gar nicht so schlimm? Ist es das jetzt wirklich gewesen, oder ist es nur die Ruhe vor der nächsten Welle? Wer weiß das schon, und – wollen wir darüber im Moment wirklich nachdenken?

Als der Blick nach Italien ein Blick in unsere Zukunft war

Es sieht ganz so aus, als wollten wir im Moment vor allem wieder das Leben genießen und erleben, was es zu erleben gibt. Das ist mehr als verständlich. Trotzdem lohnt es sich, auch abseits der Ladentüren noch mal kurz … innezuhalten. Führen wir uns die Wochen des Lock-down vor Augen und lassen unseren Blick schweifen über unsere Landesgrenzen hinaus. Da gab es den so vielsagenden Satz „Der Blick nach Italien könnte der Blick in unsere Zukunft sein“.

Italien. Das Land, das es als erstes erwischt hat hier in Europa. Als uns die erschreckenden Bilder von den unzähligen Särgen in einem Militär-Konvoi erreichten, fingen wir hier an zu begreifen, dass die Lage offenbar wirklich ernst ist. Und wir fingen an, die Vorsorge-Maßnahmen ernst zu nehmen, bevor es hier so schlimm wurde wie in Italien. Wer weiß, wie sich das winzig kleine Virus hier ausgetobt hätte, wenn uns die Bilder aus Italien nicht so in die Glieder gefahren wären?

Auch, wenn es viel zu kritisieren gibt …

Schauen wir weiter nach Frankreich, Spanien, Amerika, Indien, Russland, dann merken wir vor allen Dingen, dass wir hier in Deutschland, zumindest bis jetzt, verdammt glimpflich davon gekommen sind. Glück gehabt. Auch dank der Bilder aus Italien, die uns zum „erst mal kurz … innehalten“ brachten. Das brachte uns zu konsequenten Verhaltens-Änderungen, die wohl ziemlich gut waren für uns. Bei allem berechtigten Lob, bei aller berechtigter Kritik, sollten wir uns jetzt auch vor Augen führen, dass wir hier in einem kleinen Paradies leben, in dem offenbar vieles funktioniert hat. Vielleicht nur, weil wir die Bilder der Särge aus Italien vor Augen hatten.

Sicher: es wurden Fehler gemacht, viele Menschen kämpfen um ihre Existenz, viele fragen sich, warum ausgerechnet sie keine Unterstützung bekommen, und das alles dafür, dass es bei uns vielleicht doch nicht so schlimm war, wie uns erzählt wurde? Abseits all dessen, was es zu hinterfragen gilt: halten wir jetzt noch mal kurz inne. Schauen wir noch mal über den Tellerrand unserer Grenzen hinaus. Dann haben wir hier allen Grund dafür … dankbar zu sein. Nicht nur kurz, sondern ganz nachhaltig und aus tiefstem Herzen … dankbar.

Dankbarkeit – für den zuversichtlichen Blick nach vorn

Denn verglichen mit den Corona-Auswirkungen, die wir andernorts beobachten, geht es uns hier, zumindest bis jetzt, richtig gut. Was auch immer warum gewirkt hat – im Vergleich geht es uns richtig gut. Und dafür dürfen wir jetzt auch einfach mal richtig dankbar sein.

Es könnte sich lohnen, wenn wir auch in Zukunft öfter mal das tun, was wir zurzeit vor allem vor Ladentüren tun: kurz noch mal … innehalten. Weil es hilft. Denn egal, was dann sein wird – beim Innehalten könnte uns wieder einfallen, wofür wir … dankbar sein können. Dann spüren wir auch, wie viel Zuversicht uns dieses schöne Gefühl der Dankbarkeit schenkt. Zuversicht für einen optimistischen Blick nach vorn. Und den können wir in Zukunft bestimmt noch öfter gebrauchen.


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