Möglicherweise ganz bestimmt vielleicht

Ein asiatisch anmutender Schirm durch den die Sonne scheint.

Irgendwie scheint die Corona-Gefahr gebannt zu sein, also möglicherweise sicher oder vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon. Und vielleicht war ja eigentlich auch alles gar nicht so schlimm, welchen Informationen darf man jetzt schon noch vertrauen. Und überhaupt „kennst Du eigentlich jemanden, der oder die es hatte?“ Meistens folgt darauf ein vielsagendes Kopfschütteln. Meistens.

Unser ganzes Leben mutet zurzeit irgendwie merkwürdig an, geradezu surreal. Das einzige, was sicher zu sein scheint, ist, dass absolut nichts wirklich sicher ist. Der Mund-Nasen-Schutz ist zum Symbol einer hilflosen Symbol-Politik geworden, die uns eine Illusion von Sicherheit vermitteln soll. Dabei ist mittlerweile ziemlich allen klar, dass sich die winzig kleinen Erreger von Krankheiten aller Art nirgendwo lieber vermehren als da, wo es so schön warm und feucht ist, wie in den Bazillenschleudern, die uns zuweilen die Luft zum Atmen nehmen. Das ist sicher.

Ein Hoch auf die Unsicherheit

Achselzuckend richten wir uns ein inmitten dieses surreal anmutenden Möglicherweise-ganz-bestimmt-vielleicht. Aber ist dieses Leben in allgegenwärtiger Unsicherheit wirklich so neu für uns? Ist es nicht so, dass uns die Allgegenwart der Unsicherheit jetzt nur so richtig auffällt? Eigentlich haben wir schon lange mit lauter symbolhaften Sicherungen gelebt. Wie zum Beispiel mit dem sicher scheinenden Job, der uns seelisch verhungern ließ und uns zuweilen die Luft zum Atmen nahm wie eine Maske. Und dann war der Job vielleicht noch nicht einmal halb so sicher wie gedacht.

Sicher können wir hier und da etwas steuern, können materielle Risiken mit Versicherungen abfedern. Doch die wirklich wichtigen Dinge des Lebens passieren am liebsten durch die großen Zufälle, die sich weder planen noch steuern lassen. Da wird aus der Fremden in der Umkleide-Kabine nebenan beim gemeinsamen Blick in den Spiegel vollkommen unerwartet eine gute Freundin, durch die ein frischer Wind ins Leben weht. Oder wir verlieren geliebte Menschen und lernen, dass das Leben trotzdem weiter geht.

Platz für das wahre Leben

Wenn alles so planbar und vorhersehbar wäre, wie es so manches Sicherheits-Denken suggeriert, dann gäbe es keinen Platz mehr für Unvorhersehbares, keinen Platz mehr für Überraschungen. Streng genommen gäbe es dann keinen Platz mehr für das wahre Leben, weil es unter lauter Schutzmasken ohne frischen Wind keine Luft mehr zum Atmen finden würde. Für wen klänge das schon verlockend?

Außerdem spüren wir alle irgendwo, tief in uns drin eine ganz andere, viel klarere Sicherheit. Die Sicherheit, mit der wir jeden Morgen aufstehen, und die uns durch all unsere großen und kleinen Alltags-Entscheidungen trägt. Genauso tief in uns drin wissen wir nämlich eigentlich ganz genau, dass echte Sicherheit in all den äußeren Dingen und Fakten, die uns umgeben, nicht zu finden ist. Seit Wochen erleben wir schließlich, wie all das von heute auf morgen wegbrechen kann. Und das Leben geht trotzdem weiter.

Was uns immer tief und frei atmen lässt

Echte Sicherheit finden wir nur ganz tief in uns drin. In unserem eigenen Vertrauen darauf, dass wir unser Leben schon irgendwie gemeistert bekommen, egal welche Wendung es nimmt. Das Vertrauen auf die eigenen Stärken, in die eigene Überlebens-Fähigkeit gibt uns eine Sicherheit, die durch keine Maske und keine Versicherung zu ersetzen ist. Wir fangen gerade wieder an, diese echte Sicherheit in uns selbst zu entdecken und ihr mehr zu vertrauen, als allem Äußeren.

Und wir werden sehen: das tut uns auch langfristig richtig gut. Es schafft den Raum für lauter schöne Überraschungen und glückliche Wendungen. Vor allem lässt es uns auf Dauer stets tief und frei atmen. Klingt das nicht verlockend?

Beitrags-Photo von japanibackpacker auf Pixabay