Plötzlich ganz auf sich allein gestellt

Einsames Maedchen mit Riesen-Teddy auf einem FeldwegGeschockt starren wir auf die Bilder der totalen Zerstörung. Einer Zerstörung, die dieses Mal nicht irgendwo weit weit weg passiert. Sie passiert hier vor unseren Haustüren. Auf den Westen unseres Landes stürzten Wassermassen ein, die bis dato unvorstellbar waren. Wassermassen, die den Westen unseres Landes in eine Katastrophe stürzen, die wir bisher nur aus fernen Ländern weit weit weg kannten: Häuser stürzen ein, Straßen werden zu reißenden Strömen, Brücken sind unpassierbar, Strom- und Handynetz – einfach weg.

Und mittendrin unzählige Menschen, die keine Chance hatten, sich darauf vorzubereiten, sich davor zu schützen. Menschen, die von jetzt auf gleich vor diesen Wassermassen fliehen mussten, Menschen, die innerhalb von Minuten alles verloren haben. Die Zahl der Toten steigt. Viele Orte sind selbst für die Rettungskräfte immer noch unerreichbar. Und viele viele Menschen wissen nicht, ob die Liebsten, die sie vermissen, zu den Toten gehören oder zu den Vermissten. Telefonieren und mal schnell nachfragen – geht nicht mehr ohne Strom und ohne Netz.

Plötzlich kein Telefon, kein google, kein Wegweiser mehr

Diese Unsicherheit ist eigentlich schon schlimm genug. Doch wie mag es jetzt denen gehen, die sich auf ein Dach, oder auf einen Baum haben retten können, die jetzt aber keine Möglichkeit haben, auf sich aufmerksam zu machen? Wie mag es denen gehen, die jetzt irgendwo allein auf einem trockenen Fleckchen ausharren, umgeben von bedrohlichen Wassermassen? Nichts von den Dingen, die den meisten von Ihnen bisher ein Gefühl von Sicherheit vermittelt haben, existiert noch. Kein Telefon, kein google, kein elektronischer Ratgeber oder Wegweiser.

Wie würden wir wohl reagieren in solch einer Situation? So ohne alles, ganz auf uns allein gestellt, mitten in einer Katastrophe, die uns so nahe kommt, dass wir sie in unseren Körpern so schmerzhaft spüren? Wären wir noch in der Lage, aus uns selbst heraus mit dieser Situation fertig zu werden und einen Ausweg zu finden? Plötzlich vollkommen ohne elektronische Helferlein, die aus unserem normalen Alltag nicht mehr wegzudenken sind – woher nehmen wir unter diesen Umständen eigentlich noch unsere Sicherheit?

Worauf wir uns verlassen können

Ein Mädchen folgt der Sonne.Die Sicherheit eine Lösung zu finden, das Selbstvertrauen es irgendwie zu schaffen, auch wenn nichts äußeres Vertrautes mehr gewiss ist – beides brauchen wir, um mit Katastrophen-Situationen umgehen zu können, auf die wir uns nicht vorbereiten können. Die Fähigkeiten, die wir dann brauchen, sind tief in uns selbst verankert. Wir haben uns nur ohne Not vollkommen abgewöhnt, uns auf diese überlebenswichtigen Fähigkeiten zu verlassen. Wir haben uns abgewöhnt, unserem Orientierungs-Sinn zu vertrauen, unserer inneren Stimme. Weil wir den elektronischen Helferlein mehr vertrauen als uns selbst.

Wir wissen, dass wir uns alle darauf einstellen müssen, dass Katastrophen wie die, die jetzt den Westen unseres Landes ereilt, immer häufiger passieren werden. Katastrophen, auf die wir uns nicht vorbereiten, vor denen wir uns nicht schützen können. Mit diesem Wissen, so intensiv vor Augen, sollten wir uns darauf besinnen, was uns welche Sicherheit gibt, mit solchen Situationen trotz allem fertig zu werden.

Vertrauen in das, was wir seit eh und je tief in uns tragen

Wenn die gewohnten elektronischen Helferlein von jetzt auf gleich nicht mehr funktionieren, dann sollten wir auf das zurückgreifen können, was wir seit eh und je tief in uns tragen: unsere Instinkte, unseren Orientierungs-Sinn, das Vertrauen in uns und unsere innere Stimme. Je bewusster und aktiver wir mit diesen Fähigkeiten in unserem Alltag umgehen, umso mehr Sicherheit und Selbstvertrauen können uns diese Fähigkeiten vor allem dann verleihen, wenn es drauf ankommt.

Also hören wir doch einfach mal damit auf, uns ständig auf all die elektronischen Helferlein zu verlassen. Denn der Klimawandel mit all seinen Auswirkungen findet nicht nur irgendwo weit weit weg statt. Er passiert auch hier in unserem Alltag, wo wir ihn täglich in unseren Körpern spüren können. Mal mehr mal weniger stark. Das kann uns alle früher oder später in die Situation bringen, dass wir von jetzt auf gleich ganz auf uns allein gestellt sind. Und dann sollten wir in der Lage sein, uns selbst mehr zu vertrauen als all den elektronischen Helferlein.

Wünsche aus tiefem Herzen

Ein Pärchen fällt sich glücklich in die Arme.All den Menschen, die jetzt irgendwo in genau dieser Situation stecken, dass sie plötzlich ganz auf sich allein gestellt sind, all diesen Menschen wünsche ich von Herzen, dass sie jetzt, wo es drauf ankommt, tief in sich selbst genau die Fähigkeiten und das Vertrauen finden, das sie brauchen, um diese Katastrophe irgendwie zu bewältigen. Und ich wünsche allen, die sich jetzt gegenseitig suchen und vermissen, dass sie sich so bald wie möglich wieder in die Arme nehmen können.

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