Was für ein Geschenk

Zimtsterne auf einer kleinen SchieferplatteAlle Jahre wieder treten sie in Erscheinung: die guten Vorsätze für die Vorbereitung auf den Heiligen Abend: alles soll ganz in Ruhe und entspannt laufen. Kein Geschenke-Terror, kein Einkaufs-Marathon, schon gar nicht auf den letzten Drücker in den überfüllten Innenstädten, wo sich Unmengen von Menschen aneinander vorbeidrücken. Und überhaupt ist das Wesentliche an Weihnachten doch, dass wir ganz in Ruhe Zeit miteinander verbringen. Zeit für Besinnlichkeit.

Allzu oft hatte dieser Verweis auf das Wesentliche leider nur den Charakter eines Alibis. Das Wesentliche an Weihnachten, die Besinnlichkeit – welches Gewicht hatte es in den letzten Jahren tatsächlich? Und was trat meist an die Stelle dieser Besinnlichkeit?

Und dann eröffnet Corona einen neuen Raum

Dieses Jahr ist ja nun bekanntlich alles anders. Das winzig kleine Virus schafft es sogar, unsere Weihnachts-Routinen in Frage zu stellen. Anstelle der Weihnachts-End Rally beschert es uns den zweiten harten Lockdown. Alle Geschäfte zu. Und jetzt? Jetzt drücken sich in der Kölner Innenstadt zwar immer noch Unmengen von Menschen an den jetzt fest verschlossenen Geschäften vorbei und folgen irgendwie der Alt-Routine, aber: Es gibt auch die Anderen. Und denen beschert das Corona Virus jetzt einen klaren Blick auf das Wesentliche.

Zwar wird auch von den Anderen hier und da dieses und jenes vorbereitet. Online shops werden sich auch in diesem Lockdown als Krisengewinnler in Fäustchen lachen. Trotzdem ist es hier und da klar und deutlich spürbar: durch den konsequenten Wegfall aller äußeren Ablenkungen eröffnet sich ein Raum für das Wesentliche dieser Zeit. Es eröffnet sich der Raum für Besinnlichkeit im Weihnachts-Geschehen eines jedes Einzelnen.

Eine wundersame Wandlung

Und siehe: bei allem Genervt-Sein über die Begleiterscheinungen der Pandemie wird auch gerne die Chance ergriffen, sich auf diese Besinnlichkeit einzulassen, sie gar zu genießen. Sei es aus Dankbarkeit über die eigene Gesundheit und die der Liebsten, sei es, weil sich da ganz unspektakulär ein neuer Blickwinkel eröffnet. Der wahrhaftige Blick aufs Wesentliche. Wahrhaftig spüren, dass unser Leben sehr viel reicher und stress-freier sein kann, wenn wir all den überflüssigen Schnick-Schnack der Alt-Routinen einfach mal weglassen.

So erlebt der Verweis auf das Wesentliche an Weihnachten, nämlich die Besinnlichkeit, einen wundersamen Wandel: er wandelt sich von der bloßen Alibi-Funktion in ein wahrhaftiges Erleben. Wer hätte das gedacht? Was für eine frohe Botschaft. Was für ein schönes Geschenk. Nutzen wir diesen Schwung des wundersamen Wandels und retten ihn hinüber in die Zeit nach Weihnachten. Bleiben wir dabei, dass wir Vorsätze mit bloßer Alibi-Funktion wundersam wandeln in wahrhaftiges Handeln und Erleben. So wird es zu einem Geschenk voller wahrhaftiger Nachhaltigkeit. Frohe Weihnachten!

Wertschätzung leben?

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