Was so alles an den Rosinen hängt

Ein imposantes Kreuzfahrtschiff unter dunklen Wolken.

Es ist verdammt gut gegangen. Über etliche Jahre hinweg. Überall auf der Welt haben wir uns die Rosinen aus dem Kuchen gepickt und uns nicht um den Kuchen gekümmert, in den sie eingebacken waren. Mal eben übers Wochenende nach Afrika fliegen – na man will ja was sehen von der Welt. Billig-Importe aus der ganzen Welt, von Medikamenten über fertig zerrissene Jeans bis hin zu Auto-Teilen – ja wie sollte es denn gehen, wenn es teurer wäre? Außerdem will ich doch nur …! Und wenn wir schon mal beim „Ich-Will-Doch-Nur“ sind: haben wir nicht sogar ein Recht auf billige Lebensmittel im Allgemeinen, auf billiges Fleisch im Besonderen?

Auf der ganzen Welt haben wir uns bedient, oder bedienen lassen, als hätte unser „Ich-Will-Doch-Nur“ ein natürliches Recht darauf. Vor ein paar Jahren gab es mal den Satz in aller Munde, nachdem alles mit allem verbunden ist. Wer dachte dabei schon an etwas anderes als an all die süßen Rosinen, die wir uns überall aus dem Kuchen pickten? Natürlich waren wir besorgt wegen des Klimawandels. Aber deswegen auf eine Flugreise verzichten? Das war doch nur was für Öko-Spinner. Und was können wir denn schon dafür, wenn die Produktion unserer Billig-Moden irgendwo weit weg zu Katastrophen für Menschen und ihre Umwelt wurde?

Ein idealer Nährboden für Corona

Nun lernen wir, was es heißt, dass alles mit allem verbunden ist. An den Rosinen der Flugreisenden hing das winzig kleine Virus. Sie verbreiteten es unfreiwillig in der ganzen Welt und sorgten so für die Pandemie, in der wir immer noch stecken. Erst seitdem ganze Lieferketten deswegen zusammengebrochen sind, erleben wir, welche Auswirkungen es für unser aller Leben hat, wenn am anderen Ende der Welt durch unverantwortliche Umwelt-Verschmutzungen winzig kleine, höchst gefährliche Viren entstehen.

Aktuell fällt es uns auf die Füße, dass das Billig-Fleisch auf vielen Tellern auch deshalb so billig ist, weil es von Arbeitern zerlegt wird, die aus armen Ländern angelockt wurden und hier in Verhältnissen leben, die nicht nur menschenunwürdig sind. Diese Verhältnisse erweisen sich jetzt auch als idealer Nährboden für Corona-Erkrankungen. Es hat eben alles seinen Preis.

Konsequenzen hängen auch dann dran, wenn wir sie gedanklich ausblenden

Wollen wir wirklich weiter darauf bestehen, dass Andere, die nicht so privilegiert leben wie wir, den Preis dafür zahlen, dass wir so privilegiert leben? Jetzt ist eine gute Zeit, um darüber nachzudenken was es heißt, dass alles mit allem zusammen hängt. Dabei sollten wir vor allem daran denken, dass an all unserem Handeln und Konsumieren immer Konsequenzen hängen, egal, wie konsequent wir diese Konsequenzen gedanklich ausblenden. All das, was an den Rosinen hängt, die wir uns so gerne herauspicken, fällt uns früher oder später auf die Füße.

Schon lange haben wir geahnt, dass es nicht ewig gut gehen kann damit, wie wir unser „Ich-Will-Doch-Nur“ über jedes bessere Wissen stellen. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt zum Entwickeln von Visionen, wie es sehr viel besser weiter gehen kann. Handeln wir mal nach der Maxime des besseren Wissens, anstatt unserem „Ich-Will-Doch-Nur“ in alt-gewohnter, gewollter Blindheit zu frönen. Oder wollen wir wirklich, dass alles wieder so wird, wie es vor Corona war? Wollen wir wirklich wieder so tun, als sei ausgerechnet unser eigenes, ganz persönliches Handeln und Konsumieren davon ausgenommen, dass alles mit allem zusammen hängt?


Beitrags-Photo von Neil Morrell auf Pixabay